Abschlussevent Cradle-to-Cradle-Network

Nach zwei Jahren intensiver Arbeit als externer Experte gemeinsam mit Tammo Trantow für die “Abteilung für Tourismus und Wirtschaftsentwicklung” der Stadt Graz und das “ Government Office for Development and European Affairs” der Republik Slowenien freut es mich, dass in diesen Tagen die Ergebnisse des INTERREG-VIc Projekts in Brüssel präsentiert werden. Der Abschluss des C2CN Projekts ist natürlich nicht gleichbedeutent mit einem Abschluss der Cradle to Cradle Aktivitäten in den Regionen. Im Gegenteil: Zentrales Ergebnis ist ein jeweils regional erstellter Actionplan mit weiteren Maßnahmen und Projekten zur Stärkung von Cradle to Cradle und Kreislaufwirtschaftsprinzipien im Sinne einer neuen industriellen Revolution!

www.c2cn.eu / www.cradletocradle.at / www.odzibkedozibke.si

 

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Vortrag in Cambridge

Gestern konnte ich bei einem COST Netzwerktreffen am St. Magdalene College in Cambridge einen Vortrag über das Projekt re-design Eisenerz 2021 halten. Es war eine besondere Freude für mich in dieser alt ehrwürdigen Universitätsstadt von meiner Arbeit berichten zu können. Dem Publikum, ein ExpertInnenkreis zum Thema schrumpfende Städte (www.shrinkingcities.eu), habe ich die relevanten Prozessschritte der letzten sieben Jahre re-design Eisenerz, basierend auf den Ergebnissen des Forschungsprojekts “Energieeinsparung durch Siedlungskonzentration”, präsentiert. Im Anschluss an den Vortrag wurde intensive diskutiert und weiteres Interesse an dem Eisenerz-Projekt bekundet.

Zukunftskommunikation

In dieser Woche hatte ich die Möglihckeit an drei  spannenden Veranstaltungen teilzunhemen und Diskurse über die Zukunft unserer Gesellschaft zu führen.

Im Rahmen der „Ersten österreichischen Leerstandskonferenz“ wurden Werner Nussmüller, Elisa Rosegger-Purkrabek und ich eingeladen einen Workshop zum Thema „re-design Eisenerz“ durchzuführen. Im Rahmen dessen konnten wir den Prozess in Eisenerz vorstellen und auf Grund der siebenjährigen Tätigkeit über unsere Erfahrung Prozess berichten. Gemeinsam mit den TeilnehmerInnen diskutierten wir über einzelne Phasen in diesem Prozess und über ökonomische, ökologische und soziale Nachhaltigkeit.

Beim Musik/Kunst/Diskurs-Festival Elevate war ich Gast einer Podiumsdiskussion mit dem Titel „Von der Knappheit zur Fülle“ um das Konzept von Cradle to Cradle Design zu präsentieren. Danach folgten inspirierende Diskussionen mit den vielen jungen Menschen im Raum. Gerade diese kritische Hinterfragung der jüngeren Generation ist wichtig um Veränderungen in unserer Gesellschaft zu initiieren.

Im Zuge der RegionaleXII wurde ich eingeladen einen Stammtisch zum Thema „Mobilität“ in Neumarkt, Bezirk Murau, zu moderieren. Der Bezirk ist von einer starken Bevölkerungsabwanderung betroffen. Ziel der Veranstaltung war es über das Thema der demographischen Veränderungen und regionalen Herausforderungen zu diskutieren. Die Diskussion hat sich rasch hin zum Thema „Strassenbau Pro und Contra“ entwickelt. Dabei wurde ich in der These bestärkt, dass ein differenziertes Problembewußtsein die Voraussetzung für einen regionalen Veränderungsprozess ist. Im Autohaus Radauer in Neumarkt wurde  ein Schritt in diese Richtung gesetzt!

Danke an die OrganisatorInnen dieser Veranstaltungen. Diese Gespräche sind essentiell, wenn es um die Frage der Zukunft unserer Gesellschaft geht!

Aktuelles: Intensive Zeiten

Kunstprojekt in Linz (www.dejavu-linz.at/)

Im Moment erlebe ich gerade eine intensive, herausfordernde Zeit. In diesem Monat werde ich (vorwiegend in Arbeitsgruppen) folgenden große Projekte abschließen. Ich hoffe bald die Zeit zu finden, um von den einzelnen, sehr spannenden Projekten hier detaillierter zu berichten! (Falls das jemanden interssiert).

Dichtedialog – Sozial verträgliche Nachverdichtung im urbanen Bereich: Pilotprojekt und Studie zu den Möglichkeiten und Grenzen der Nachverdachtung im suburbanen Raum. (URBAN+ Projekt. Stadt Graz, Gemeinde Feldkirchen und Seiersberg. Projektdurchführung gemeinsam mit Gottfried Prasenc)

Potentiale der Innenentwicklung in demographisch schrumpfenden Gemeinden: Analyse des Prozesses re-design Eisenerz und der demographischen Situation in der Steiermark. BürgermeisterInnenbefragung und Stakeholderinterviews. (Gefördert durch den Zukunftsfond des Landes Steiermark)

Cradle to Cradle Design als Standortfaktor für Graz: INTERREG IVC Projekt mit dem Ziel eines europäischen Erfahrungsaustausches und Entwicklung eines regionalen Aktionsplans. (Im Auftrag der Wirtschaftsabteilung der Stadt Graz. Projektdurchführung gemeinsam mit Tammo Trantow)

Cradle to Cradle Design als Standortfaktor für die Republik Slowenien: INTERREG IVC Projekt mit dem Ziel eines europäischen Erfahrungsaustausches und Entwicklung eines regionalen Aktionsplans. (Im Auftrag des Ministeriums für Entwicklungs- und Europafragen der Republik Slowenien. Projektdurchführung gemeinsam mit Tammo Trantow und Igor Medjugorac)

Schrumpfende Städte auf der europäischen Agenda!

Ich bin diese Woche bei einer Konferenz in Amsterdam zum Thema „Schrumpfende Städte“. Die Veranstaltung mit dem Titel „Shrinkage in Europe: causes, effects and policy strategies“ wurde vom mehreren Organisationen gemeinsam organisiert: Dam LEED Programm der OECD, dem Masterlehrgang für Urban Studies an der Universität Amsterdam und dem europäischen Expertennetzwerkes CIRES, in welchem ich der Vertreter Österreichs bin.

In ihren Vorträgen gingen die VertreterInnen der OECD und der Europäischen Komission dezidiert auf das Thema Schrumpfung ein. In dieser Klarheit habe ich das erstmalig erlebt. In den Anfangsjahren von re-design Eisenerz (ab 2005) haben wir vergeblich nach EU-Strategien (und natürlich Förderprogrammen) für schrumpfende Regionen/Städte gesucht. Zwar gibt es seit einigen Jahren Forscher- und ExpertInnennetzwerke auf europäischer und internationaler Ebene. Dies hat bisher meines Wissens aber noch keinen Niederschlag in einer konkreten Prolitikstrategie gefunden.

Dies scheint sich zu ändern. Robert Strauss, Vertreter der Europäischen Kommission, hat von der Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit (über Ausbildung und Bildung) dezidiert im Kontext von schrumpfenden Städten gesprochen und Christina Martinez-Fernandez, Vertreterin der OECD, sprach über lokale nachhaltige Szenarien für „Green Growth“ nach dem Motto: „Schrumpfen als Chance für ein nachhaltiges Europa“. Neben eingängigen Schlagwörtern, die davon zeugen, dass das Thema auf der internationalen politischen Agenda gelandet ist gab es auch interessante Diskussionspunkte:

+ Welche Planung ist adäquat für schrumpfende Städte?

+ Sind bisherige Planungsstrategien mitschuld an dem Schrumpfungsprozess?

+ Kann die ökonomische Krise der letzten beiden Jahre mit  demographischen Schrumpfungsprozessen (zumindest) analytisch verglichen werden und ist es möglich daraus etwas zu lernen?

Ein Anmerkung zum letzten Punkt: Zumindest rhetorisch scheint es einen Übertragungseffekt von der Bankenkrise auf die Stadtschrumpfungskrise zu geben: Zu aller Schluss forderte ein Verterter der europäischen Kommission die versammelte ExperInnenrunde auf, weiter intensiv darüber nachzudenken, wie das Schrumpfungsphänomen aus finanzieller Perspektive zu lösen sei. Und stellte gleichzeitig klar, dass es sich hierbei nur um „Public-Private-Partnerships“ handeln kann. Zitat: „Es nicht sein kann, dass die Öffentlichkeit die Risiken trägt und Private die Gewinnen einstreifen.“ Der Satz kommt uns doch sehr bekannt vor!

PS: Bei dem Bild handelt es sich weder um Amsterdam noch um Eisenerz, sondern um Taranto in Süditalien. Dort am Fischmarkt meint man, dass auch Schrumpfung schön sein kann. Bella Italia!

Cradle to Cradle goes Graz

Letzte Woche habe ich gemeinsam mit Tammo Trantow im Auftrag der Wirtschaftsabteilung der Stadt Graz den 2. Cradle to Cradle Kongress in im Kunsthaus Graz organisiert. Und ich freue mich, dass wir damit erfolgreich waren. So haben wir zahlreiche positive Rückmeldungen erhalten und konnten viele Menschen für neue Wege im Bereich der Nachhaltigkeit begeistern und inspirieren. Insgesamt nahmen 280 Menschen aus Graz, Österreich und neun weiteren europäischen Ländern teil (www.c2cn.eu).

Eine Dokumentation des Kongresses findet sich bald unter:

http://www.cradletocradle.at

Neben Vorträgen und Podiumsgesprächen mit internationalen ExpertInnen und EntscheidungsträgerInnen, präsentierte Mathieu Fichter als Vertreter der EU Kommission die neuesten Entwicklungen auf EU Ebene: Noch im Jänner 2011 wird die europäische Kommission die politische Strategie zu einem „ressourceneffizienten Europa“ vorstellen. In diesem Strategiepapier wird Cradle to Cradle auf dem Weg zu einem neuen Wirtschaftssystem in Europa eine Rolle spielen.

Ich selbst konnte einen Vortrag über die gesellschaftliche Entwicklung des Themas Nachhaltigkeit von „Öko zu Bio“ und die Potentiale von Cradle to Cradle Design für unterschiedliche Lebensstilgruppen  halten. Es hat mich gefreut, dass dieses Thema breites Interesse hervorgerufen hat.

Den Abschluss und Höhepunkt des Kongresses bildete der Vortrag des C2C Begründers,  Michael Braungart. Er hinterfragte kritisch das bisherige Vorgehen im Bereich der Nachhaltigkeit und zeigte Möglichkeiten auf mit einer positiven Grundhaltung an das Thema Umweltschutz heranzugehen: Wir dürfen nicht dem Versuch hinterher eilen unseren Fußabdruck zu minimieren bis es uns nicht mehr gibt. Vielmehr sollte intensiv darüber nachgedacht werden, wie wir einen wirklich positiven Einfluss auf unsere Umwelt erlangen. Braungart inspirierte die Besucher und Besucherinnen, indem er zeigte, dass eine „guten Wegwerfgesellschaft“ durchaus realisierbar ist.

Die Geschichte mit dem Einfamilienhaus

Als Soziologe, im Bereich der Wohnbau- und Architekturforschung tätig, kommt man um die Beschäftigung mit dem Einfamilienhaus natürlich nicht umher. Zu präsent ist dieser Wohntypus in den Köpfen und den Landschaften unseres Landes und deswegen natürlich soziologisch äußerst interessant.

 

 

 

 

Rund drei Viertel der Österreicherinnen und Österreicher antwortet auf Frage, welche die beste aller Wohnformen sei: Das Einfamilienhaus. Zirka 40 Prozent nennen ein solches Haus auch ihr eigen.

Gleichzeitig ist bekannt, dass es sich bei Einfamilienhaus um eine Wohnform wenig mit dem zu tun hat, was heute immer wieder unter dem Begriff der „Nachhaltigkeit“ diskutiert wird. Einfamilienhausbebauungen verursachen einen hohen Flächenverbrauch, führen zu einer Steigerung der Abhängigkeit vom motorisierten Individualverkehr, verursachen hohe Infrastruktur-Erschließungskosten.

Gegenüber diesen harten öknomischen und ökologischen Fakten überwiegt natürlich oft die Sehnsucht nach dem eigenen Heim, dem eigenen Grün und der Selbstbestimmtheit. Der verdichtete Wohnbau wird sehr oft als Negativkontrast zur Idylle im Eigenheim gesehen.

Bereits 2001 haben wir uns im Rahmen einer Studie für die Programmschiene „Haus der Zukunft“ mit einer differenzierten Motiven- und Lebensstilanalyse hinter der Präferenz zum Einfamilienhaus beschäftigt.

Seit April 2010 führe ich gemeinsam mit Gottfried Prasenc eine umsetzungsorientierte und aktivierende Forschung zum Thema „Sozial verträgliche Nachverdichtung von Einfamilienhausgebieten“ durch.

Es zeigt sich, dass diese Einfamilienhausgebiete einer stetigen Dynamik unterliegen: Oft ist ein Generationenwechsel bei den Eigentümern gegeben, was auch zu Veränderungen in den Besitzverhältnissen mit begleitenden baulichen Veränderungen führt. Bei den Häusern wird Um-, Zu- und Aufgebaut und neue Familienstrukturen etablieren sich.

Dass diese Dynamik weiter zunehmen wird verdeutlichen Ergebnisse von Befragungen in den Projektgebieten:

In 25 Prozent aller befragten Haushalte lebt nur eine Person. Zumeist sind dies ältere alleinstehende Menschen.
Gleichzeitig meinen 80 Prozent aller Befragten, dass ihr Einfamilienhaus nicht den Wohnbedürfnissen von älteren Menschen entspricht.
Jedoch nur 10 Prozent denken über einen altersgerechten Umbau ihres Einfamilienhauses nach.

In diesem Projekt geht es darum nachzudenken, wie die Zukunft unsers Zusammenlebens in zahlreichen Einfamilienhausgebieten Österreichs sein wird.