redesign Eisenerz: Hintergründe und Entwicklungen

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Im Jahr 2004 starteten Arch. Werner Nussmüller und ich, Rainer Rosegger, das Projekt re-design Eisenerz, welches mittlerweile Leitprojekt der Stadtgemeinde Eisenerz ist, vom Land Steiermark unterstützt und unter Koordination des ehemaligen Landesbaudirektors, Hofrat Gunther Hasewend, durchgeführt wird.

Hintergrund

Eisenerz war lange Zeit das Herz der österreichischen Schwerindustrie. Im Zuge der Globalisierung der Wirtschaft und der zunehmenden Technologisierung der Produktion im Laufe der 1970er und 1980er Jahre verlor der Wirtschaftsstandort Eisenerz zunehmend an Bedeutung. Aufgrund von betrieblichen Rationalisierungsstrategien manifestiert sich dieser Bedeutungsverlust weniger in der Menge an abgebauten Erz, dafür umso stärker in den Beschäftigungszahlen – ein Schrumpfen der Eisenerzer Bevölkerung ist die Folge.

Von den 1960er Jahren bis heute reduzierte sich die Bevölkerung um mehr als die Hälfte auf ein Niveau von 41 Prozent der damaligen Einwohnerzahl. Bei der Betrachtung von Abbildung 1 zeigt sich, dass die Bevölkerung eigentlich wieder auf das Niveau der Zeit vor der Industrialisierung zurückgegangen ist. Das ist aber dramatischer Prozess, der zahlreiche Probleme nach sich zieht:

Im Jahr 2004 war es so, dass geschätzte 700 der 2.900 Mietwohnungen leer standen, was einem Anteil von 24 % Prozent entspricht. Die Leerstände betrafen nicht nur ein Wohngebiet, sondern waren über die gesamte Stadt verteilt. Hauptsächlich betroffen waren die Münichtalsiedlung, eine große Siedlung in peripherer Lage, und die Eisenerzer Innenstadt, ein kompakter Marktkern mit jahrhundertealter Tradition. In Folge des Wegzugs der BewohnerInnen aus der Innenstadt sperrten immer mehr Geschäfte zu. Übrig blieb ein weitgehend entleerter und lebloser historischer Stadtkern mit zunehmend devastierten Gebäudestrukturen.

Ähnliches war in zahlreichen Eisenerzer Siedlungen zu sehen: Die Zunahme von Leerständen – aufgrund des Wegzugs und der Altersstruktur der Bewohner – führte zur Schließung oder Abwanderung von Infrastruktureinrichtungen (Geschäfte, Lokale, soziale Einrichtungen). Im Weiteren führten die Mietausfälle – bei einem generell niedrigen Mietniveau – dazu, dass die Wohnbauträger nicht mehr in Sanierungen investierten. Eine sich selbst verstärkende, negative Dynamik entstand: Auf Grund der sich verschlechternden Lebensumstände ziehen jene, die können aus Eisenerz weg, der Wohnungsleerstand nimmt zu und führt zu Segregation und sozialen Problemen in den einzelnen Gebieten. Gleichzeitig wird es der Kommune aufgrund sinkender Einnahmen und steigender Ausgaben zunehmend unmöglicher selbst aktiv zu werden und Verbesserungen einzuleiten – sie musste sich auf eine „Verwaltung des Niedergangs“ zurückziehen. In der im Februar 2006 von uns abgeschlossenen Studie wurde diese Situation untersucht, beschrieben, analysiert und Strategien für eine Veränderung der Situation konzipiert.

Der Prozess

Das Vorhaben des Prozesses re-design Eisenerz hat zum Ziel es bis zum Jahr 2021 den gegenwärtigen Bevölkerungsrückgang zu stoppen und für die rund 5.000 BewohnerInnen wieder eine lebenswerte Stadt zu schaffen. Dafür sprechen die Potentiale, die aus der Bergwelt und der Landschaft, aus der montanhistorischen Bedeutung des Ortes und des Erzbergs und aus der grundsätzlich attraktiven Innenstadt erwachsen. Diese Kapitalien müssen jedoch auch nutzbar gemacht werden. re-design Eisenerz wurde 2006 ins Leben gerufen, mit dem Ziel eine nachhaltige Entwicklung zu garantieren. Aus heutiger Sicht sollten bis zum Jahr 2021 rund 470 Wohneinheiten rückgebaut und rund 700 Wohneinheiten einer Sondernutzung zugeführt werden. Dieses Vorhaben wird in Quantität und Qualität jedoch entsprechend gegebenen Veränderungen und Reaktionsnotwendigkeiten als flexibel gehalten. Der damit einhergehende Veränderungs- und Umsiedelungsprozess wird soweit als möglich sozial moderiert und gestützt. Da aber ein neuer Entwicklungsprozess nicht nur über den Wohnungsmarkt initiiert werden kann, wurden weitere Bereiche in das Konzept aufgenommen und werden integriert verfolgt. So wurden in den Bereichen Arbeits- und Wirtschaftszukunft, Ausweitung der Nutzung des Erzberges, Bildung und Kultur, Soziales, Tourismus und Verkehrsinfrastruktur Projekte entwickelt und teilweise  bereits umgesetzt.

Teil dessen ist das Projekt „Motivation Eisenerz“, das im Jahr 2008 im Mittelpunkt der Aktivitäten war. Ziel war es, die BewohnerInnen mit ihren Bedürfnissen, Wünschen und Ideen in Hinblick auf eine Veränderung der Situation in den Mittelpunkt stellt. „Motivation Eisenerz“ war kein einfacher Beteiligungsprozess an dem Gesamtvorhaben: Vielmehr ging es darum, die BewohnerInnen für ihre gegenwärtige Situation zu sensibilisieren und Engagement für Eigeninitiativen zu initiieren. Mit unterschiedlichen Bevölkerungs- bzw. Anspruchsgruppen werden Diskussionen geführt, Vorschläge und Ideen gesammelt und gemeinsam erörtert, wie eine Umsetzung – auch ohne großen Finanzbedarf – möglich wird. Vor allem die Jugendarbeitsgruppe zeichnete sich durch eine hohe Motivation aus – ein gutes Zeichen für die Zukunft von Eisenerz. Mittlerweile sind erste Früchte der Arbeit von „Motivation Eisenerz“ zu sehen. Inwieweit der Prozess wirklich erfolgreich im Sinne seiner Ziele und Visionen sein wird, werden wir in den nächsten Jahren sehen. Zeit ist in solchen Entwicklungsprozessen einer der wesentlichsten Faktoren.

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